{"id":460,"date":"2021-04-07T11:56:18","date_gmt":"2021-04-07T09:56:18","guid":{"rendered":"http:\/\/brunopolis.eu\/de\/?p=460"},"modified":"2025-05-13T12:24:21","modified_gmt":"2025-05-13T10:24:21","slug":"vom-fruehen-fremdenverkehr-im-pustertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/brunopolis.eu\/de\/2021\/04\/07\/vom-fruehen-fremdenverkehr-im-pustertal\/","title":{"rendered":"Vom fr\u00fchen Fremdenverkehr im Pustertal"},"content":{"rendered":"\n<p>von Rudolf Tasser<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-5-Drei-Zinnen_red.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"665\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-5-Drei-Zinnen_red-665x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-463\" style=\"width:370px;height:570px\" srcset=\"https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-5-Drei-Zinnen_red-665x1024.jpg 665w, https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-5-Drei-Zinnen_red-195x300.jpg 195w, https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-5-Drei-Zinnen_red-768x1183.jpg 768w, https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-5-Drei-Zinnen_red.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 665px) 100vw, 665px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Drei Zinnen mit fr\u00fchen Alpinistinnen und Alpinisten im<br>Vordergrund. Ansichtskarte, Johann F. Amonn Bozen, um 1910.<br>Stadtarchiv Bruneck, Sammlung Weissteiner.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es war etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Fremdenverkehr das Pustertal erfasste und die ersten Kurorte entstanden. Die Jahrzehnte bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs brachten eine regelrechte Konjunktur, die allerdings anders verlief als der nach dem Zweiten Weltkrieg aufkeimende Massentourismus. Es kamen seinerzeit viel weniger Touristen und diese blieben oft \u00fcber mehrere Wochen oder gar \u00fcber mehrere Monate im selben Gasthof oder Hotel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Pusterer Traum vom Fremdenverkehr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Fremdenverkehr brachte nicht nur Geld in die Kassen jener, die die neue wirtschaftliche Situation auszun\u00fctzen imstande waren, sondern sorgte auch f\u00fcr die Umverteilung von Eink\u00fcnften und Verm\u00f6gen. Wer vom Transitverkehr gut gelebt hatte, konnte jetzt in Schwierigkeiten geraten. Andere wieder, denen die Umstellung auf den neuen Wirtschaftszweig gelang, kamen zu Eink\u00fcnften in ungeahnter H\u00f6he. Ein Musterbeispiel f\u00fcr Letzteres war der von Emma Hellenstainer gef\u00fchrte Gasthof Schwarzer Adler in Niederdorf. Dieses Dorf war so etwas wie der touristische Vorreiter des Pustertals.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aktionen f\u00fcr den Fremdenverkehr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Besonders wohlhabende G\u00e4ste hielten sich nicht selten das ganze Jahr \u00fcber auf Erholung in Hotels auf. Sie waren im Winter in Meran, im Fr\u00fchjahr in einer Ortschaft in mittlerer H\u00f6he, etwa in M\u00fchlbach, und im Sommer im Hochpustertal. Die touristische Werbung lief \u00fcber die Schriftstellerschiene. So nahmen vor allem Ludwig Steub (Aichach, Bayern) und Heinrich No\u00eb (M\u00fcnchen) auf das Pustertal Bezug. Es kamen aber auch F\u00fchrer heraus, die nur eine Ortschaft behandelten, so etwa der \u00fcber Niederdorf von Josef Rabl (Wien) oder der \u00fcber Sexten von Hans Biendl (Wien). Von Anfang an war die Generaldirektion der S\u00fcdbahn-Gesellschaft, welche die Eisenbahnlinie durch das Pustertal betrieb, in ihrem eigensten Interesse bestrebt, den Fremdenverkehr m\u00f6glichst zu f\u00f6rdern. So sollten vor allem reiche Wienerinnen und Wiener, Triestinerinnen und Triestiner durch gute Schnellzugverbindungen ins Hochpustertal gebracht werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-6-Hotelkolonie-Toblach_red.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"508\" src=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-6-Hotelkolonie-Toblach_red.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-464\" style=\"width:406px;height:258px\" srcset=\"https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-6-Hotelkolonie-Toblach_red.jpg 800w, https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-6-Hotelkolonie-Toblach_red-300x191.jpg 300w, https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-6-Hotelkolonie-Toblach_red-768x488.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u201eHotelkolonie\u201c in Toblach. Ansichtskarte, Josef Werth, Toblach, um 1910. Stadtarchiv Bruneck, Sammlung Weissteiner.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Der Deutsche und \u00d6sterreichische Alpenverein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine M\u00f6glichkeit, die Berge zu erschlie\u00dfen, war der Bau von Schutzh\u00fctten und das Anlegen und die Markierung von Wegen. 1877 wurde die Sektion Hochpustertal des Deutschen und \u00d6sterreichischen Alpenvereins gegr\u00fcndet. Sie hatte im Jahr 1879 41 und im Jahr 1883 61 Mitglieder. Trotz der geringen Mitgliederzahl erzielte der Verein eine bedeutende Wirkung, was vor allem einzelnen, besonders engagierten Mitgliedern wie dem Niederdorfer B\u00fcrgermeister Jakob Traunsteiner oder Josef Anton Rohracher, dem Besitzer des Hotels Germania in Neu-Toblach, zu verdanken war. Sehr aktiv waren auch die 1880 gegr\u00fcndete Sektion Sand in Taufers und die sieben Jahre sp\u00e4ter ins Leben gerufene Sektion Ladinia in Corvara. Damals entstand der Berufsstand der Bergf\u00fchrer. Auch im Pustertal bildeten sich im Laufe der Zeit regelrechte Bergf\u00fchrerdynastien heraus, weil der Beruf von einer Generation auf die n\u00e4chste \u00fcberging. Im Jahr 1902 wurde in Sand in Taufers ein eigener Bergf\u00fchrerverein gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Werbung f\u00fcr den Fremdenverkehr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was die Werbung anging, beschr\u00e4nkte man sich relativ lange auf das, was man heute als Mundpropaganda versteht. Dann aber intensivierte man die Werbung schon vor dem Ersten Weltkrieg und legte vor allem auf die architektonische Gestaltung der Fremdenverkehrsstrukturen Wert. Ein besonders starker Werbeeffekt ging von dem im Jahr 1899 er\u00f6ffneten Hotel am Pragser Wildsee aus und von mehreren Gasth\u00e4usern in M\u00fchlbach, Niederdorf und in verschiedenen Pustertaler B\u00e4dern. Die ersten G\u00e4ste, welche als \u201eFremde\u201c ins Pustertal kamen, waren Einheimische aus der Gegend von Bozen und Meran, die auf der Flucht vor der dort herrschenden Sommerhitze waren. Die zeitlich darauffolgende gr\u00f6\u00dfere Gruppe bildeten Leute aus weiteren St\u00e4dten der k.k. Monarchie, aus M\u00fcnchen und aus anderen reichsdeutschen St\u00e4dten. Der Stra\u00dfenverkehr war ein Abbild von dem, was sich in den nobleren Fremdenverkehrsorten tat. Da fuhren von Pferden gezogene Stellwagen und Kutschen verschiedenen Formats, die teilweise von den Hotels zur Verf\u00fcgung gestellt wurden. Die Stra\u00dfe nach Prags war solchen Fahrzeugen vorbehalten. Autos durften hier keine fahren, es sei denn, es handelte sich um das Auto eines Erzherzogs. Die Kutscher beherrschten die Land- und Reichsstra\u00dfen. Sie klagten \u00fcber die immer gr\u00f6\u00dfer werdende Zahl von Radfahrenden, die den Verkehr auf den Stra\u00dfen behinderten. Die Zeitungen schrieben von \u201eAutoraserei\u201c und prognostizierten diesbez\u00fcglich noch schlimmere Verh\u00e4ltnisse. Schon vor 1914 gab es Auto-Omnibusse. So fuhr ab dem Jahr 1900 ein Postauto mit zw\u00f6lf Sitzen durch das Tauferer Tal.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-7-Eisenbahnbruecke-Franzensfeste_red.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"534\" src=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-7-Eisenbahnbruecke-Franzensfeste_red.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-465\" style=\"width:408px;height:273px\" srcset=\"https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-7-Eisenbahnbruecke-Franzensfeste_red.jpg 800w, https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-7-Eisenbahnbruecke-Franzensfeste_red-300x200.jpg 300w, https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Abb-7-Eisenbahnbruecke-Franzensfeste_red-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eisenbahnbr\u00fccke \u00fcber die Eisackschlucht bei Franzensfeste. Ansichtskarte, Gebr. Metz Kunstanstalt T\u00fcbingen, um 1895.<br>Stadtarchiv Bruneck, Sammlung Weissteiner.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Die Position der politischen Parteien Tirols gegen den Fremdenverkehr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfen politischen Lager Tirols, die Konservativen, die Liberalen und die Christlich-Sozialen, nahmen zum Fremdenverkehr unterschiedliche Positionen ein. Die Konservativen sahen die Gefahr, dass der Fremdenverkehr eine Monokultur produzieren w\u00fcrde, die nur auf Gewinn aus sei. Probleme ergaben sich auch zwischen protestantischen G\u00e4sten und streng katholischen Tirolerinnen und Tirolern. Das f\u00fchrte dazu, dass der Brixner F\u00fcrstbischof Simon Aichner in einem 1896 erschienenen Hirtenbrief auf die negativen Aspekte des Fremdenverkehrs hinwies, unter anderem auch darauf, dass die an den Sonntagen angesetzten Bergtouren den Besuch der Sonntagsmesse unm\u00f6glich machen w\u00fcrden. Die Liberalen lie\u00dfen sich von der positiven Einsch\u00e4tzung des Fremdenverkehrs nicht abbringen. Sie sahen in ihm die einzig wirklich ergiebige Einnahmequelle, f\u00fcr die es mehr zu tun gelte. Die Tiroler Christlich-Sozialen waren keineswegs wirtschaftsfeindlich und sahen folglich auch die Entwicklung des Fremdenverkehrs positiv.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>* Dieser Text ist im Katalog \u201e<a href=\"https:\/\/brunopolis.eu\/de\/2020\/11\/25\/1870-aufbruch-ins-gruen\/\">1870: Aufbruch ins Gr\u00fcn \/ Evasione nel Verde<\/a>\u201c enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Beitragsbild: \u201eWeg u. Distanzkarten von Tirol\u201d, Nr. 10: Dolomiten. Entwurf von J. Georg Th\u00f6ni, Verlag von Jos. Grissemann in Imst, Lithographische Anstalt von K. Redlich in Innsbruck. 2. Auflage um 1900. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, K X\/17 (Ausschnitt).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Rudolf Tasser Es war etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Fremdenverkehr das Pustertal erfasste und die ersten Kurorte entstanden. Die Jahrzehnte bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs brachten eine regelrechte Konjunktur, die allerdings anders verlief als der nach dem Zweiten Weltkrieg aufkeimende Massentourismus. 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