{"id":1,"date":"2020-10-01T11:29:00","date_gmt":"2020-10-01T09:29:00","guid":{"rendered":"http:\/\/brunopolis.eu\/?p=1"},"modified":"2021-09-30T12:17:55","modified_gmt":"2021-09-30T10:17:55","slug":"150_jahre_gruendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/brunopolis.eu\/de\/2020\/10\/01\/150_jahre_gruendung\/","title":{"rendered":"150 Jahre Gr\u00fcndung des Stadtversch\u00f6nerungsvereins Bruneck"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Jahr 1870 wurde in Bruneck ein Verein aus der Taufe gehoben, der sich die Versch\u00f6nerung der Stadt als Ziel setzte und sowohl f\u00fcr Einheimische als auch \u201eFremde\u201c, die in dieser Zeit zunehmend in das Pustertal reisten, attraktive M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Spazierg\u00e4nge, Wanderungen und Einkehr schaffen wollte. Eine der treibenden Kr\u00e4fte hinter dem Vorhaben war der Brunecker Buchdrucker und Zeitungsherausgeber Johann Georg Mahl (1823\u20131901). Er begann 1870 mit dem Schreiben von \u201eVereins-Notizen\u201c, die heute noch erhalten sind. Die Handschrift umfasst die Jahre 1870 bis 1882 und bietet einen detaillierten Einblick in die Arbeit des Brunecker Stadtversch\u00f6nerungsvereins. Mahl selbst war von Anfang an als Obmann t\u00e4tig, es gab einen Ausschuss, der sich regelm\u00e4\u00dfig traf, sowie einen Kassier. Die Statuten des Vereins erschienen schon fr\u00fch im Druck und 1874 wurde die Gr\u00fcndung \u201eoffiziell\u201c in einem Akt der Statthalterei f\u00fcr Tirol und Vorarlberg in Innsbruck aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Abb-84-Mehrbildkarte_Bruneck.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Abb-84-Mehrbildkarte_Bruneck.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-262\" width=\"435\" height=\"281\" srcset=\"https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Abb-84-Mehrbildkarte_Bruneck.jpg 659w, https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Abb-84-Mehrbildkarte_Bruneck-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 435px) 100vw, 435px\" \/><\/a><figcaption>Mehrbild-Ansicht von Bruneck, dargestellt ist auch die &#8222;Pusterthaler Volkstracht&#8220;. Besonders hingewiesen wird auf die &#8222;prachtvolle Sommerfrische mit sch\u00f6nen Spazierg\u00e4ngen&#8220;. Kunstanstalt Karl Schwidernoch, Wien, um 1895. Stadtarchiv Bruneck, Sammlung Weissteiner.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Stadtversch\u00f6nerungsverein setzte sich in erster Linie f\u00fcr die Erschlie\u00dfung neuer Gr\u00fcnfl\u00e4chen im Umland der Stadt Bruneck als Ausflugsziele f\u00fcr die b\u00fcrgerliche Schicht ein. Er k\u00fcmmerte sich um das Anlegen und Ausschildern von Wegen, das Aufstellen von B\u00e4nken, Tischen und Pavillons, das Errichten von Trockenmauern, die Einfassung von Quellen und die Aufforstung von Waldfl\u00e4chen. Prim\u00e4r ging es also nicht um die F\u00f6rderung des Fremdenverkehrs, sondern um die Schaffung von Erholungsraum f\u00fcr die Stadtbewohnerinnen und \u2013bewohner &nbsp;von Bruneck. Mahl fasste in seinen \u201eVereins-Notizen\u201c das Ziel der Bem\u00fchungen zusammen: \u201eZur Ehre, zum Wohle und zur Annehmlichkeit der Bewohner Brunecks\u201c. Damit stand der Brunecker Verein ganz in der Tradition von Versch\u00f6nerungsvereinen im gesamten deutschsprachigen Raum und in Italien, die in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts in gro\u00dfer Zahl gegr\u00fcndet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Er\u00f6ffnung der Eisenbahnlinie durch das Pustertal im Jahr 1871 f\u00fchrte dazu, dass zunehmend Touristinnen und Touristen ihre Sommerfrische in Bruneck und in der Umgebung der Stadt verbrachten. Es ist wohl kein Zufall, dass die Gr\u00fcndung des Stadtversch\u00f6nerungsvereins ziemlich genau mit diesem Datum zusammenf\u00e4llt. Die Infrastruktur der Stadt ver\u00e4nderte sich ebenso wie das kulturelle Angebot: Neben den bereits bestehenden Gasth\u00e4usern wie der \u201eNeuen Post\u201c der Familie von Grebmer entstanden neue Beherbergungsbetriebe wie das Hotel Bruneck oder das Hotel zur Krone (sp\u00e4ter Ronacher, danach Bayerischer Hof), die sich auf die \u201eFremden\u201c spezialisierten. In der Stadt wurde ein vielseitiges Unterhaltungsprogramm angeboten, das aus Konzerten, Gesangsabenden und Theaterauff\u00fchrungen bestand. Daneben fanden in der Sommersaison Platzkonzerte und andere Auff\u00fchrungen im Freien statt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Abb-14-Mahl-Brunnen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Abb-14-Mahl-Brunnen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-260\" width=\"329\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Abb-14-Mahl-Brunnen.jpg 601w, https:\/\/brunopolis.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Abb-14-Mahl-Brunnen-232x300.jpg 232w\" sizes=\"auto, (max-width: 329px) 100vw, 329px\" \/><\/a><figcaption>Der &#8222;Mahl-Brunnen&#8220; an seinem urspr\u00fcnglichen Ort am Eingang der Weganlagen des K\u00fchbergl. Foto: Andreas Oberhofer, 2016. Stadtarchiv Bruneck.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger Aspekt der Sommerfrische war stets auch die Badekultur. In den alten Bauernb\u00e4dern in der Umgebung von Bruneck konnte nicht nur gebadet, sondern auch gegessen und getrunken werden. Dass sich die \u201eBadln\u201c bei den fr\u00fchen Touristinnen und Touristen gro\u00dfer Beliebtheit erfreuten, zeigt sich darin, dass um die Wende zum 20. Jahrhundert zahlreiche Post- und Ansichtskarten mit Motiven aus diesen B\u00e4dern versandt wurden. Die Ansichtskarten wurden unter anderem auch von der Druckerei Mahl hergestellt, deren Besitzer Johann Georg Mahl zugleich langj\u00e4hriger Obmann des Versch\u00f6nerungsvereins war. In seiner Druckerei in der Stadtgasse erschien 1874 erstmals ein Reise- und Wanderf\u00fchrer, in dem B\u00e4der, Wirtsh\u00e4user, Jausenstationen und andere Betriebe beworben wurden. 1908 wurde dieser Reise- und Wanderf\u00fchrer f\u00fcr Bruneck und Umgebung in f\u00fcnfter Auflage gedruckt; es lag ihm sogar eine Karte bei, in die Spazier- und Wanderwege eingezeichnet sind. Insofern gingen die Bestrebungen des Stadtversch\u00f6nerungsvereins und der aufkeimenden Fremdenverkehrswerbung Hand in Hand. Allerdings bereiteten der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 und der Kriegseintritt Italiens 1915 dem Fremdenverkehr in Tirol und zugleich auch den T\u00e4tigkeiten der Versch\u00f6nerungsvereine einen j\u00e4hen Abbruch.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 2019 gegr\u00fcndete Verein &#8222;Brunopolis&#8220; gibt aus Anlass der 150. Wiederkehr der Gr\u00fcndung des Brunecker Stadtversch\u00f6nerungsvereins in Kooperation mit dem Stadtarchiv und dem Tourismusverein Bruneck ein Buch heraus. Darin werden 18 Orte beschrieben, die mit der Geschichte des Vereins in Verbindung stehen und zugleich Facetten der Entwicklung der Stadt in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts illustrieren. Das Buch f\u00fchrt beispielsweise nach Waldheim im Westen und zur Lamprechtsburg im Osten, zum Moarberger Weiher im S\u00fcden und zum heutigen Hotel Post mitten im Zentrum von Bruneck. In Waldheim gab es eine beliebte Restauration und beim \u201eKresswasserl\u201c einen beliebten Bierkeller mit Terrasse. Die Lamprechtsburg war ebenfalls ein gern besuchtes Ausflugsziel mit Gastwirtschaft und Wallfahrtskapelle. Der Moarberger Weiher lud Spazierende um 1900 noch zu Bootsfahrten ein und der Gasthof zur Post war bereits fr\u00fch ein mond\u00e4ner Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr den aufkeimenden Tourismus, dem die Anwesenheit des Kaisers Franz Josef I. im Jahr 1886 einen besonderen Glanz verlieh.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch &#8222;<a href=\"https:\/\/brunopolis.eu\/de\/2020\/11\/25\/1870-aufbruch-ins-gruen\/\">1870: Aufbruch ins Gr\u00fcn. 150 Jahre Gr\u00fcndung des Stadtversch\u00f6nerungsvereins Bruneck<\/a>&#8220; versteht sich als Einladung zum Spazierengehen und Wandern. Auf den Spuren der Pioniere der Brunecker Stadtversch\u00f6nerung f\u00fchrt es alle Interessierten auf historischen Wegen, die bisweilen etwas in Vergessenheit geraten sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Text wurde zuerst ver\u00f6ffentlicht in: Info Seniores, Ausgabe 25, Oktober 2020. <\/em><\/p>\n\n\n<p>***<\/p>\n<p><!-- \/wp:post-content --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><em>Abbildung: Detail aus einem Fotoabzug auf einer \u201eCorrespondenz-Karte\u201c. Fotografie von Hermann Mahl (?), um 1900. Archiv Mahl \u2013 dipdruck.<\/em><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1870 wurde in Bruneck ein Verein aus der Taufe gehoben, der sich die Versch\u00f6nerung der Stadt als Ziel setzte und sowohl f\u00fcr Einheimische als auch \u201eFremde\u201c, die in dieser Zeit zunehmend in das Pustertal reisten, attraktive M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Spazierg\u00e4nge, Wanderungen und Einkehr schaffen wollte. 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