
Obwohl Michael Gaismair und Andreas Hofer sowohl aufgrund ihrer Lebensepochen als auch ihrer Herkunft und sozialen Zugehörigkeit wenig gemeinsam hatten, sind sie in der Erinnerungskultur Tirols heute fest als Anführer von Rebellionen verankert, mit denen sie in einem Fall das gesellschaftliche System gänzlich erneuern, im zweiten Fall eine Rückkehr zu einem früheren Status quo bewirken wollten. Die Programmatiken der beiden zweifellos charismatischen Persönlichkeiten waren sehr unterschiedlich, dennoch gibt es teils verblüffende Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen. Der Vortrag versucht, anhand ausgewählter Stationen in den Biographien nachzuzeichnen, aus welchen sozialen Milieus Hofer und Gaismair stammten, wie ihre Bildungs- und Berufskarrieren verliefen, wie sie auf die Krisen ihrer Zeit reagierten und wie sie mehr oder weniger strategisch vorgingen, um in führende Positionen an der Spitze aufrührerischer Bewegungen aufzusteigen. Zu fragen ist nach Qualifikationen, Eigenschaften und „sozialem Kapital“, die ihnen dafür zugutekamen, nach der Selbsteinschätzung von Status und Chancen und nicht zuletzt nach der Beurteilung ihrer Zeitgenossen.